Lyrikhotel Eins
Sascha Kokot (Leipzig) und Christoph Wenzel (Aachen)
An diesem Abend treffen zwei Dichter aufeinander, die nicht durch Effekte überwältigen wollen, sondern auf Genauigkeit, die Kraft der präzisen Beobachtung, setzen. Sascha Kokots aktueller Band „Geisternetze“ (2026) verwebt die vergeblichen und glückenden Versuche, ein neues Leben entstehen zu lassen, mit der uns alle verbindenden Erfahrung von Verlust und Vergänglichkeit. „Man merkt, wie dieser poetische Ton hilft, das kaum Benennbare dennoch in Worte zu fassen, es geradezu in die Hände zu nehmen und mit einer Aufmerksamkeit zu betrachten, die die Poesie unserer Welt erst sichtbar macht.“ (Ralf Julke, Leipziger Zeitung)
Der ländliche Raum, das Hinterland, die Übergangszonen, an denen die Stadt ausfranst, Vororte, die einst Dörfer waren – sie bilden das Terrain der literarischen Geografie von Christoph Wenzel in „landläufiges lexikon“ (2022): Orte und Landschaften, die der Mensch geprägt, die er sich zur Heimat gemacht und gleichzeitig versehrt hat. Wenzels Gedichte machen Landstriche historisch durchlässig, spannen kollektive wie individuelle Erinnerungs- und Möglichkeitsräume auf – die immer auch sind: Orte innerer und äußerer Krisen, Unorte, Utopien, Herzkammern, Wörterbücher.
Trams gewittern durch die Straßen / diese kolossalen Tiere einer Stadt / grasen an den Haltestellen / wiederkäuen müde Flaneure …
–Sascha Kokot