Zwei Häuser im Osten
Eva Menasse und Christine Koschmieder gehen der Frage nach, was ein Haus zur Heimat macht, moderiert von Andreas Platthaus
In Eva Menasses „Alleinruhelage“ (Kiepenheuer & Witsch) bleibt einer Frau nach dem Ende ihrer Ehe das Haus am Rand einer Datschensiedlung in Brandenburg, in dem die Familie über die Jahre glückliche Sommer verbracht hat, mit den Kindern, den Gästen, dem See vor der Tür. Sie überlegt, ob sie bleiben oder verkaufen soll, und beginnt zu renovieren, kämpft mit Widrigkeiten wie alten Leitungen und missgünstigen Nachbarn im Kleingarten. Zur Seite steht ihr ein eingespieltes, unkonventionelles Handwerkerpaar, das jeden Schaden in den Griff bekommt. Als Wienerin, in dieser Gegend doppelt fremd, sieht sie vielleicht genauer als die Einheimischen, wie die DDR und die Wendeverwerfungen bis heute in den Menschen nachwirken, welche alten Verletzungen geblieben sind und worüber niemand spricht. Am Ende verkauft sie und bricht noch einmal auf.
Christine Koschmieder geht in »Ein Haus für mich« (Kanon) den anderen Weg. Aus politischen Gründen zieht sie von Leipzig aufs Land, in ein baufälliges Schifferhaus von 1840 an der Elbe. Sie reißt Wände heraus, zählt die Betonringe im Hof und lernt Nachbarn wie N. kennen, der mit Erdbeereis und den fehlenden Backsteinen vor ihrer Tür steht. Ihr Memoir erzählt vom Umbau, vom Eigentum und von der Frage, wem die Häuser im Osten eigentlich gehören.