Zwei Häuser im Osten
Eva Menasse und Christine Koschmieder gehen der Frage nach, was ein Haus zur Heimat macht, moderiert von Andreas Platthaus
In Eva Menasses „Alleinruhelage“ (Kiepenheuer & Witsch) bleibt einer Frau nach dem Ende ihrer Ehe das Haus am Rand einer Datschensiedlung in Brandenburg, in dem die Familie über die Jahre glückliche Sommer verbracht hat, mit den Kindern, den Gästen, dem See vor der Tür. Sie überlegt, ob sie bleiben oder verkaufen soll, und beginnt zu renovieren, kämpft mit Widrigkeiten wie alten Leitungen und missgünstigen Nachbarn im Kleingarten. Zur Seite steht ihr ein eingespieltes, unkonventionelles Handwerkerpaar, das jeden Schaden in den Griff bekommt. Als Wienerin, in dieser Gegend doppelt fremd, sieht sie vielleicht genauer als die Einheimischen, wie die DDR und die Wendeverwerfungen bis heute in den Menschen nachwirken, welche alten Verletzungen geblieben sind und worüber niemand spricht. Am Ende verkauft sie und bricht noch einmal auf.
Christine Koschmieder geht in „Ein Haus für mich“ (Kanon) den anderen Weg, und sie erzählt ihn als ihren eigenen. Aus Leipzig, wo die Mieten sie über die Jahre in immer kleinere Wohnungen gedrängt haben, zieht sie in ein baufälliges Schifferhaus an der Elbe. Sie reißt Wände heraus, streitet mit Handwerkern, zählt die Betonringe im Hof und findet in einem Nachbarn, der ihr Brennholz und Erdbeereis über den Zaun reicht, den ersten Verbündeten am neuen Ort. Ihr Memoir erzählt vom Umbau, vom Geld, das hinten und vorne nicht reicht, und von der Frage, wem die Häuser im Osten eigentlich gehören.